bei DRESDEN / SACHSEN
19. – 21. JUNI 2026

Gelegenheiten, Friedensstimmen zu sammeln und Kontakte zu neuen Friedensstädten/-orten in Deutschland zu knüpfen, gibt es einige. So ganz sicher auch dieses Sommerfest von Menschen, welche in den letzten 6 Jahren, besonders den Jahren 2020 – 2024 aktiv waren. – So dachten sich auch die Initiatoren dieser Friedensinitiative und fuhren nach Sachsen.
Eine doch sehr naturnahe und schöne location, keine Masse an Menschen, aber doch immerhin einige – auch uns bekannte Gesichter.
Positiv war die Ruhe, die Auszeit, das Wiedersehen auch mit ein paar aktiven Friedensmenschen unserer Initiative. Hier waren die Gespräche und die Zeit wirklich sehr inspirierend und sehr schön.
Was uns am Ende so kritisch und verständnislos zurücklässt, ist die verfehlte Prioritätensetzung: Ja, es ging bei dieser Veranstaltung wirklich „nur“ um ein Sommerfest, also um eine harmlose Party. Und das, obwohl sich dieses Land durch eine Vielzahl ungelöster Krisen in einer spürbaren Abwärtsspirale befindet. Wo blieb dabei der analytische Blick auf das Hier und Jetzt und die auch hieraus für uns ergebenden Aufgaben für die Zukunft? Wo wurde die entscheidende Frage nach dem „Was weiter?“ und „Wie weiter?“ gestellt? Es fehlen doch aktuell die neuen, mutigen Ideen und Wege, um Millionen von kritischen, aber mittlerweile resignierten Menschen wieder zu aktivieren. Viele von ihnen haben sich enttäuscht zurückgezogen. Deshalb drängt sich immer wieder die fundamentale Frage auf: Wofür – für welche konkreten Ziele, Forderungen und visionären Projekte – soll, will oder könnte der Souverän überhaupt noch auf die Straße gehen? Auf diese Frage haben weder dieses Land noch die vermeintlich „klugen Köpfe“ dieser Bewegung eine Antwort. Und ja, leider hat sich dieses Treffen nicht in der Verantwortung gesehen, hier erste Ideen zu sammeln.
Schlimm genug, dass der Widerstand für einige mittlerweile zu einer Art „Geschäftsmodell“ geworden ist. Das eigentliche Problem ist jedoch: Nirgends in Deutschland steht die Suche nach neuen Lösungen im Zentrum eines gemeinsamer Überlegungen. Und ist es nicht zutiefst bedenklich, dass niemand mehr den Mut aufbringt, das eigene Tun zu hinterfragen und – wo nötig – eine radikale Kehrtwende(180 Grad) zu vollziehen?
Die entscheidende Frage lautet nämlich nicht, wie ich mein eigenes Ego, meine Meinung, meine Weltanschauung durch noch lautere Demonstrationen, plakative Losungen oder wehende Fahnen inszeniere. Sie lautet ganz offensichtlich: Wie erreichen wir die Millionen Menschen, die genau das eben nicht tun?
Wie erreichen wir die Masse, also unsere Millionen Mitmenschen?
Zum besseren Verständnis ein Bild für Euch:
Stell dir eine Plattenbausiedlung vor, zum Beispiel Berlin-Marzahn. Du und ich stehen auf einem Balkon. Vor und neben uns ragen dutzende Wohnblöcke auf – ein schier endloses Meer aus Balkonen.
1. Genau dort wohnen unsere Mitmenschen: der Souverän.
2. Und jetzt die Frage an Alle: Wie und womit können wir diese Menschen erreichen? Also genau jene, die dort im Wohnblock gegenüber leben. Warum bleiben sie drinnen und werden nicht mit uns auf den Straßen, Plätzen und in den Wohngebieten aktiv?
Erreichen wir sie mit den üblichen Demonstrationen, mit Lautstärke und Symbolen wie Fahnen, Parolen und Transparenten? Oder mit dem Schwenken von Losungen auf Autobahnbrücken? Stellt Euch andere Demonstrationen vor: gegen Rechts, für Pride und queere Rechte, Aktionen der Antifa, der Grünen, der Gewerkschaften, der Landwirte oder welcher Partei auch immer.
3. Was davon empfindet ihr als E I N L A D E N D?
4. Wirkt das alles nicht viel eher verschreckend, störend oder schlicht belanglos für den eigenen Alltag?
5. Interessiert sich dort auf der Straße überhaupt irgendjemand für den Einzelnen?
6. Will irgendjemand ernsthaft mit euch ins Gespräch kommen, um zu erfahren, wie ihr – als Mitmensch und Teil des Souveräns – wirklich denkt und warum?
7. Geht es hier an irgendeiner Stelle um ein echtes, solidarisches „Gemeinsam“?
8. Machen wir also – vom Wesen her – überhaupt irgendetwas anders oder besser?
Ja, viele von uns stellen sich aus einem tiefen Gefühl heraus die richtige Frage, weil sie es täglich erleben: Wo bleiben die Millionen unzufriedenen Menschen? Was, wenn viele Aktiven hierbei aber die Antworten und Ideen in jahrzehntealten Denk- und Handlungsmustern suchen? Sind diese noch zeitgemäß, wenn sie doch in all diesen Jahren nicht wirklich Wesentliches gebracht haben? Beispiel: Wie viele verharren noch in dem alten Denkmuster, dass wir immerzu gegen jemanden kämpfen müssen?
„Die Definition von Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“
Dieses berühmte Zitat von Albert Einstein bringt unser Dilemma auf den Punkt. Seit Jahrzehnten nutzen Kritiker dieser Gesellschaft dieselben Formen des Protests. Doch führen diese alten Wege des Widerstands wirklich dazu, dass sich die noch inaktiven Mitmenschen eingeladen fühlen?
Meine (J.K.) These lautet: Nein.
Wenn wir die Millionen bisher unerreichten Menschen gewinnen wollen, gilt es aufzuhören, das Immergleiche zu wiederholen. Wir brauchen völlig neue, kreative und einladende Ideen. Aktuell geht unser Handeln am eigentlichen Kern vorbei. Was wir wirklich brauchen, ist ein gemeinsames Handeln der Masse, also von unds und unseren Mitmenschen.
erreichen tun wir sie aber nur, wenn wir SIE einladen. Zeigen wir echtes Interesse daran herauszufinden, in welchen Narrativen SIE feststecken – aber auch, welche realen Sorgen, Nöte und Ängste SIE bewegen. Es geht darum, dass wir Menschen uns wieder gegenseitig als Menschen gewinnen.
Genau aus diesem Grund ist unsere Friedensinitiative entstanden.
Wir wollen die reale Möglichkeit schaffen, dass wir mit unseren Mitmenschen – und sie mit uns – in ein echtes Gespräch kommen. Dies kann nur gelingen, wenn wir auf das bloße Zur-Schau-Stellen der eigenen Weltanschauung, Religion oder politischen Präferenzen verzichten. Das kennen die Menschen doch schon aus den letzten Jahrzehnten. Auch überlegenswert: All diesen persönlichen Überzeugungen können wir im Alltag ohnehin nur in einem Zustand des Friedens nachgehen und genau dieser ist aktuell in höchster Gefahr.
Begegnen wir unseren Mitmenschen einfach nur als Väter, Mütter, Großeltern, Erwachsene und Jugendliche und laden SIE als ebensolche ein. Reden wir gemeinsam über das existenzielle Thema von Krieg und Frieden und hinterfragen wir die politisch und medial hofierten Narrative. Um zu verhindern, dass das, was „Kriegstüchtigkeit“ und „Kriegswirtschaft“ in der deutschen Vergangenheit bereits zweimal angerichtet haben, ein drittes Mal geschieht, brauchen wir die Masse. Shcaffen wir das nicht, wären wir sonst wieder bei Einsteins Definition von Wahnsinn, immer das Gleiche zu tun.
Es braucht das gemeinsame Handeln des Souveräns, denn kein Mensch will Krieg.
Das funktioniert nur über neue, lebendige und kreative Formen des Handelns und des Miteinanders. Das Alte bringt uns nicht weiter. Ein Rückblick auf Vergangenes ist höchstens als Ausgangspunkt für neue Kreativität nützlich. Selbst ein lockeres Partyumfeld kann inspirieren – aber es wäre so viel mehr möglich gewesen.
Die Geschichte stellt uns aktuell Aufgaben, die keinen Aufschub dulden. Ein großes, kreatives Brainstorming hätte dem jüngsten Treffen deshalb spürbar gutgetan. Schließlich haben Planung und Organisation dieses Treffens Monate an Zeit, Ressourcen und Arbeitskraft gekostet. Wir könnten uns also selbstkritisch der ehrlichen Frage stellen: Welches greifbare Ergebnis steht am Ende dieser Investition? Was bleibt als Summe unter dem Strich?