So viele Friedenserlebnisse an einem Tag in Warnemünde (2)

Besondere Momente, Mecklenburg Vorpommern, Rostock, Warnemünde

02. AUGUST
ROSTOCK-WARNEMÜNDE / MECKLENBURG-VORPOMMERN

wmde

BESONDERE MOMENTE – 60

Und ganz zum Schluss kam dann noch eine Begegnung, die uns besonders berührt hat. Eine Jugendgruppe mit elf- bis zwölfjährigen Jungen, die offenbar in einem Feriencamp untergebracht war, kam an unseren Friedenstisch. Sie stellten sehr selbstbewusst Fragen zur Verteidigung und zu ihrer Sorge, Russland könne uns angreifen.

Jens nahm sich viel Zeit für sie. Er sprach mit ihnen nicht von oben herab, sondern ernsthaft, ruhig und mit Fragen – wie ein richtig guter Lehrer.

Einer der Jungen wollte gleich unterschreiben. Das zeigt, welche Rolle das Elternhaus spielt. Das haben wir natürlich nicht zugelassen, sondern ihm stattdessen einen Flyer für seine Eltern mitgegeben.

Die Gruppe brachte immer wieder Einwände vor: „Ja, aber …“ und zog zunächst weiter.

Das Erstaunliche war: Die Jungen kamen später noch einmal zurück.

Einer von ihnen fragte Jens mit einer Ernsthaftigkeit, die ich mir bei vielen Erwachsenen wünschen würde: „Was machen wir denn, wenn Verhandlungen nicht funktionieren? Wenn Diplomatie nicht klappt?“. Jens meinte nur kurz und knapp und bewusst in jugendlicher Sprache: „Dann sind wir am Arsch.“ Ja, das hatte gesessen und ganz offensichtlich einen mehr als tiefen eindruck hinterlassen. In der Sonne und dem pulsierenden Leben in Warnemünde, zusammen als Gruppe junger Menschen und dann nur kurz uns knapp: Wenn wir versagen, ist hier alles am Ende. Kein Flanieren, kein Kaffeetrinkern, kein herum schlendern, Fisch essen, rumalbern und Quatsch machen in Warnemünde. Und ja, das wäre dann auch unumkehrbar …

Ein anderer wollte Jens unbedingt die Hand geben und sich für seine (eingangs) provokanten und schnippigen Fragen entschuldigen.

Das zeigt doch worum es eigentlich geht: junge Menschen ernst zu nehmen, ihre Ängste nicht lächerlich zu machen und sie immer wieder zu den einfachen, aber entscheidenden Tatsachen zurückzuführen: Kein Kind, keine Mutter und kein Vater will von sich aus Krieg!

So viele Friedenserlebnisse an einem Tag in Warnemünde (1)

Besondere Momente, Mecklenburg Vorpommern, Rostock, Warnemünde

02. AUGUST 2026
ROSTOCK-WARNEMÜNDE / MECKLENBURG-VORPOMMERN

hro

aus unserem offiziellen TG-Kanal:

Der Tag begann damit, dass Jens ausgefallen ist und Kerstin aus Güstrow mit ihrem Equipment geholfen hat. Und es wurde ein wunderschöner Tag.

BESONDERE MOMENTE – 56

Wir waren noch beim Aufbau, als ein junger Mann vorbeikam und uns wortlos eine Tüte auf den Friedenstisch legte. Darin war frischer Heilbutt, den er offenbar gerade für sich selbst auf dem Warnemünder Fischmarkt gekauft hatte.

Ansonsten war es wieder so lebendig und voller Begegnungen. Ich wünsche jedem friedensbewegten Menschen, diese Erfahrung einmal zu machen. Nicht, dass alles einfach ist – im Gegenteil. Man wird dort teilweise mit Gesprächen konfrontiert, die herausfordernd sind. Durch uns bekommt aber das Thema Krieg-Frieden eine sichtbare Öffentlichkeit. Und wo können sich denn Menschen im öfentlichen Raum hörbar zu diesem Thema äußern – Pro oder Contra.

BESONDERE MOMENTE – 57

Ein älterer Herr erzählte, dass er in Dessau geboren wurde, in einem Nazi-Lazarett direkt neben einem KZ. Er berichtete außerdem von einer Flucht, die er als fünf- oder sechsjähriger Junge erlebt haben will. Er schilderte überfüllte Waggons, in denen sich links und rechts nur jeweils ein Loch als Toilette befand. Ältere Menschen hätten dort, weil sie das Elend nicht mehr ertragen konnten, Zyankali geschluckt. Morgens seien ihre Leichen dann aus den Waggons getragen worden.

Das ist schon ein krasser Kontrast zu den lebensfrohen Bildern, die man gleichzeitig in Warnemünde erlebt. Siehe unsere Fotos.

Ein weiterer Herr aus Bremen war früher in der Friedensbewegung und glaubt heute, dass er damals auf einem Irrweg war. Warum? Wegen Putin natürlich. Anja war am Mikro, und er rief völlig aufgeregt ihr zu: „Ihr seid Träumer. Dann könnt ihr ja gleich alles an Putin abtreten.“

BESONDERE MOMENTE – 58

Ausgerechnet sein Enkel, wohl noch Schüler, widersprach ihm sanft. Und ein anderer Herr kam dazu. Er sagte zu dem Herrn aus Bremen: „Du, ich bin auch in der SPD gewesen, aber ich glaube nicht, dass Aufrüstung der richtige Weg ist.“ Die beiden stellten fest, dass sie ähnliche Lebensgeschichten hatten, teilweise dieselben Orte und Personen kannten.

Typisch Warnemünde ist auch, dass dort Menschen aus dem ganzen Bundesland unterwegs sind und immer wieder Menschen an unseren Tisch kommen, die Mitstreiter aus den anderen Städten kennen. Dieses Mal war es ein Paar aus Lutherstadt Wittenberg / Reformation 2.0, ein anderes Paar aus Brandenburg kannte Sven Lindgren von der DieBasis aus Brandenburg und unsere Renate aus Bernau. Ein Mann aus Plauen erzählte, dass er unseren Frank kennt und am 08.08. zur Demo nach Plauen fahren will.

BESONDERE MOMENTE – 59

Außerdem kam eine Familie aus Zittau vorbei, die Jens und Anja kannte, weil sie vor einigen Monaten dort gewesen waren. Der Mann hatte ein Foto von Anja in ihrer orangenen Jacke als Profilbild für sich bei Telegram.

Die Friedens-Magie des Schöneberger Kiezes in Berlin. Dankeschön.

Berlin, Besondere Momente, Schöneberg, Schöneberger Kietz

27. JULI 2026
BERLIN – STADTBEZIRK SCHÖNEBERG

Montagsspaziergang

schöne

Quasi eine Art Fortsetzung des Vorberichtes. Unser Unterstützungsbesuch in Stadtteil Berlin – Schöneberg.

Spitz auf Knopf kamen wir an. Eine kleine Gruppe von Menschen machte sich – großteils ein Fahrrad schiebend – auf seinen Weg. Am Ende angekommen, haben wir uns vorgestellt und ja, natürlich war man erfreut einverstanden, dass dann auch wir unser strahlendes orangenes Friedensbanner ausrollten und am Ende der Gruppe mit uns trugen.

Es war eine sympathische Gruppe, jeder mit irgendeiner persönlichen oder Friedensbotschaft. Und plötzlich ging es mitten in den Schöneberger Kietz, auf dem Fußweg laufend, an ganz vieler und toller Außengastronomie vorbei. Die Menschen saßen quasi mit auf dem Fußweg und wir keine 1,5m an ihnen vorbei. Cafe an Cafe, Kneipe an Kneipe, Gastro an Gastro.
Das und ja, GENAU DAS war auch für uns Initiatoren neu. Das haben wir in Rostock noch nie gemacht, wobei es ja hier auch diese Art bunten Kietz nicht gibt.

Schon am Abend damals, als auch heute, rückblickend, waren es einmalige, großartige, interessante und beeindruckende Momente. Ja, die kleine Gruppe an Fahrräder schiebenden Menschen, mit ihren Schildern und Botschaften wurde gesehen, quasi nebenbei oder beiläufig registriert – nicht aber dieses große orangene Friedensbanner.

Alle, wohl wirklich alle unterbrachen kurz ihre Gespräche und schauten auf das Banner, die Botschaft und unsere positiv lächelnde Ausstrahlung. Es war sofort ein imaginäres Gefühl der Zustimmung und Verbundenheit zu spüren, eine Verbindung von uns Menschen mit diesen Menschen. Irgendwie einmalig und kaum in Worte zu fassen.

Und wenn es eine Bestätigung für unsere neue Vision, das völlig neue Bild unserer neuen Friedensinitiative bedurfte, dann eben genau diese Momente:
Kein Kämpfen, kein lautes Demonstrieren, keine politisch-ideologischen Botschaften. Genau so entsteht eine erste gemeinsame Grundlage, gemeinsam in ein Gespräch zu kommen. Viele Daumen hoch, dieses freundliche zustimmende Lächeln und ja, auch das eine oder andere kurze persönliche Gespräch – Schöneberg war ein echte „Eye-Catcher“, eine ganz besondere und enorm wichtige neue Erfahrung. Ein bisschen war es wie eine Art FRIEDENS-Magie.

Am Ende saßen alle noch traditionell zusammen, wir also auch und ja, dann kam eine Frau zu uns, die extra und bewusst noch unterschreiben wollte. Auch sie wollte FÜR den Frieden stimmen. Und allen gemeinsam war in den Gesichtern diese Freude zu sehen. Ja, auch die lieben Friedensmenschen vor Ort fanden es einmalig und in einer unbeschreiblichen Besonderheit schön.

Die Zeit in Schöneberg wollen wir auf keinem Fall missen, weil sie uns für vieles, für ganz vieles eine solche Bestätigung gegeben und eine echte innere Freude bereitet hat. Ein bunter Kietz der uns freundlich, einladend und eben mit menschlich offenen und toleranten Armen empfangen hat. Genau so stellen wir uns das gemeinsame aufeinander zugehen vor. Das macht Mut, gibt Kraft und ermutigt doch enorm. Danke Schöneberg. Danke an die kleine Friedensgruppe, dass wir anwesend sein durften und wir gemeinsam genau diese Momente erlebt haben.

Meißen wird zunehmend zur Friedensstadt

Besondere Momente, Meissen, Sachsen

25. APRIL 2026
MEIßEN / SACHSEN

meißen

Die heute doch vielen BESONDEREN MOMENTE von Meißen:
1.
In Meißen erhielten wir heute einen bunten Blumenstrauß an Reaktionen auf unsere Bitte, eine Stimme für den Frieden zu geben.

2.
Ein ehemaliger NVA-Soldat sagte: „Ich war bei der Fahne und brauche diesen Krieg nicht.“

3.
Eine ältere Frau unterschrieb dafür, dass ihre fünf Enkel nicht kriegstüchtig gemacht werden.

4.
Ein Mann zweifelte, ob es überhaupt was bringt, seine Stimme zu geben. Er verharrte in seinem Zweifel und ging.

5.
Ein zehnjähriger Junge wusste, was er wollte: nämlich in Frieden aufwachsen. Er unterschrieb gemeinsam mit seiner Mutter.


Mehrere Menschen bedankten sich für unser Engagement
und waren froh zu unterschreiben. Aber es gab auch sehr teilnahmslos Menschen, die vorbeiliefen und so taten, als wären wir nicht da.

Soweit kurz die Eindrücke aus Meißen. Und fühlt gern mal kurz in Euch rein! Ist genau diese Friedensinitiative wichtig, richtig und notwendig? – Ja. Denn WIR ALLE GEMEINSAM stehen im öffentlichen Lebensraum unserer Mitmenschen. WIR sprechen sie mit unseren Friedens- und Demokratieständen direkt an, ohne sofort mit ihnen ein Wort reden oder in ein Gespräch, in eine Diskussion gehen zu müssen.

WIR GEMEINSAM sind Menschen wie die, die uns an diesem Tag begegnen. Und jeden, wirklich JEDEN erreichen wir. Jede/r sieht uns und JEDE/r reagiert auf uns. Ein jeder Mensch geht angesichts der Bilder mit sich in Gespräch, in einen inneren Disput:
Mache ich es wie die „Drei Affen“ – nichts sehen, nichts hören und nichts sagen – oder, an den Friedenstisch kommen. Und mit diesen Menschen geht es dann weiter, sie unterschreiben und atmen auf (endlich bekommt der Frieden in Deutschalnd Gesicht und Stimme), sie führen aufrichtige Gespräche oder sie folgen ihrem inneren Drang, uns des „Nicht-Bescheid-Wissens“ zu bezichtigen und ihrem Habitus des „Nur ich weiß alles“ zu folgen.

Sei es wie es sei: Die Menschen kommen so wieder und zunehmend ins Gespräch und das ist gut so, nicht digital und nanonym, sondern ins Gespräch, in den Austausch von Gedanken und Meinungen von Mensch zu Mensch. Und ja, hier muss man nicht immer einer Meinung sein. Aber sich in den Verschiedenheiten von uns zu akzeptieren – dass sollte wieder möglich sein.