20. FEBRUAR 2026
DRESDEN / SACHSEN
Zu Gast auf der wohl regelmäßigen Kundgebung „Ukraine – Frieden jetzt!“ – Bündnis Dresden – Stadt des Friedens.

Wir haben unseren Friedens-Tisch in gewohnter Weise aufgebaut. Jens hatte anfangs auch die Möglichkeit, die Menschen direkt anzusprechen. Und dennoch war es für unsere Initiative schwieriger als sonst, die vielen Passanten zu erreichen. Warum? Weil es einen Unterschied macht, ob ich „MEINE“ (Demo-)Meinung anderen aufdrängen will oder es bei meiner Demo darum geht, mit den Mitmenschen möglichst offen und politisch barrierefrei ins Gespräch zu kommen. Belehre ich? Gebe ich nur meine Zahlen, Daten und Fakten wieder, will ich andere damit bekehren (mag das Demo-Anliegen auch noch so berechtigt sein), will ich mit meiner Demo grundsätzlich (oder auch konkret gegen etwas) „KÄMPFEN“, mein Wissen quasi in die Köpfe der Menschen „hinein trichtern“ oder will ich die Menschen zum Nachdenken bringen, zum gemeinsamen Nachdenken anregen, zum Gespräch einladen.
Die Menschen laufen in maximal einer Minute an „Meiner“ Themendemo vorbei – erreiche ich sie da nicht, sind sie weg. Somit steht die Frage nach dem Sinn und Nutzen von 10 min. Zahlen-Daten-Fakten-Reden … Aber ja, wir waren nur Gast, fanden aber alle unsere diesbezüglichen Problem-Erfahrungen der letzten 5 Jahre bestätigt. Und genau diese, unsere PRAKTISCHEN Erfahrungen haben uns ja zu genau dieser NEUEN Form der Friedensinitiative geführt und veranlasst. Gemäß Einsteins Definition von Wahnsinn: Wahnsinn/Irrsinn ist, immer wieder das Gleiche zu machen und auf andere ergebnisse zu hoffen – oder? Immer wieder das Gleiche“ – kennen wir. Die Ergebnisse sind IMMER unbefriedigend gewesen. Also bedarf es doch mit objektiver Logik und Notwendigkeit NEUER Ideen und NEUER und auch kreativer Wege …
Ist es nicht viel zielführender, die vorbeigehenden Menschen erstmal als Mitmenschen zu erreichen, eine zwischenmenschliche Verbindung herzustellen? Zu erfahren, auf welchem Wissens- und Kenntnisstand diese sind? WO HOLE ICH DENN DIE MENSCHEN in ihrem jetzigen konkreten Alltag ab? Bildlich: Ich kann einem Erstklässler in 99,9% der Fälle keinen „Satz des Pythagoras“ beibringen, oder? Viele scheinen das aber zu wollen. These: Viele gehen von ihrem Wissens-. und Kenntnisstand aus, der aber i.d.R. auf einem langjährigen Befassen mit der oder diesen Thematik(en) beruht. Können andere Mitmenschen den gleichen Sachkenntnisstand haben?
These: eine bestimmte Art von Demo kann auch eine Hürde, eine trennende Barriere sein.
Um uns herum waren ja Menschen mit Meinungen postiert, Schildern, DKP-Fahnen, einer Fahne der nicht mehr existierenden Sowjetunion und es gab klare politischer Reden.
Es war zu fühlen, wie viele Menschen sich innerlich verschlossen. Weil sie fühlen: hier geht es nicht um mich. Hier geht es nur um das, was „die“ wissen und unbedingt laut in die Welt bringen wollen. Es ging also in gewisser Weise auch um „Egos“. Und genau das erleben doch die Menschen schon im politischen und medialen Alltag. Sie kennen das doch aus dem Fernsehen – dass sie konfrontiert werden mit Meinungen und Argumenten, welche nicht ihre sind, denen sie so auf die Schnelle nichts abgewinnen können.
Und so richtig diese Beiträge vielleicht auch an diesem Tag in Dresden waren – sie öffnen nicht die Herzen der Menschen. Und das ist so schade, weil alle Inhalte wahrscheinlich zur richtigen Zeit, am richtigen Ort berechtigt wären. Recht haben, nur die Dinge zu äußern, die man selber weiß, weil es einem selbst wichtig ist, weil „man“ sie unbedingt loswerden will ….? Ist das wirklich eine gute Vorgehensweise?
Fragen: Und wenn ja, sollten wir dies wirklich im Habitus des „Nur ich weiß alles.“ machen? Wissen wir wirklich alles? Weiß jeder Redner wirklich alles? NEIN – WIR haben die Dinge doch nicht (alle) selber erlebt. Und so wäre doch auch für diese Demo zu berücksichtigen: In jedem Krieg stirbt die Wahrheit zuerst. Oder auch der Platon zugeschriebene Satz: Das Weglassen des anderen Teils der Wahrheit ist die schlimmst Form der Lüge. Wir sollten nicht auftreten, als wüssten nur wir alles, oder?
Und so ist es ein ambitioniertes Ziel, aber vielleicht auch ein Weg in eine (von „oben“ bewusst gewollte) Sackgasse, dass 18 verschiedene Friedens- und Demokratieinitiativen in Dresden unter einem Hut zusammenfinden können. Jeder soll eigenständig und frei agieren können, nichts aufgeben, alle zusammen für den Frieden. Geht das mit diesen Rahmenbedingungen überhaupt? Führt das nicht zu einem langen Prozess des „Mit-sich-selbst-beschäftigens“? Haben wir soviel Zeit? Überlassen wir solange unsere Mitmenschen der politischen und medialen Propaganda?
Ein wirklich komplett freies Agieren NUR FÜR DEN FRIEDEN war auf dieser Dresden-Demo nur bedingt möglich, eigentlich nicht wirklich. Und es waren ja nur zwei Friedensinitiativen. Frage also: Wie will man es dann mit ACHTZEHN Gruppen schaffen? Wer verzichtet auf Teile seiner Standpunkte? Wer erkennt an, dass es zuerst nur um Frieden, um die Sicherung des Friedens geht? Wer erkennt an, dass es FÜR diesen Frieden die Menschen, uns Menschen nur als Menschen, als Väter, Mütter, Großeltern und Jugendliche braucht? Wer erkennt an, dass die Hauptaufgabe darin besteht, unseren Millionen Mitmenschen einladend die Hand zum aufeinander zugehen zu reichen, das ein miteinander Handeln notwendig ist? Wer erkennt an, das ALLES weltanschaulich, politisch und religiös Trennende ganz, ganz hinten an stehen müsste? Fragt Dresden und die Initiativen, die Mitstreiter, welche gesellschaftlich, moralisch und weltanschaulich „belehren“ wollen, Schilder, Fahne und Symbole von irgendwelchen Dingen tragen, denen sie sich einzeln, aber niemals alle anderen Menschen zugehörig fühlen möchten, oder? Frage: Warum müssen Menschen – wenn sie für den Frieden stehen – mit Losungen, Parolen agieren oder sich hinter irgendwelcher Symbolik verstecken? Fehlt ihnen der Mut, nur als einfacher Mensch persönlich für den Frieden zu stehen?
Und so steht auch ein Gedanke, der hier nicht mehr weiter vertieft werden kann:
Braucht unser Land noch mehr Meinungen? Oder braucht es zuallererst auch, dass wir einander zuhören (können und wollen) – als eine Grundbedingung dafür, dass andere Menschen gern und bereitwillig und zuhören?