Ängste der Deutschen – Verschiedene Gedanken dazu (2)

Ängste der Deutschen

welle

Antwortgedanken 1:

Sehr interessante und ganz sicher berechtigte Gedanken (siehe Teil 1). – NEIN – niemand, wirklich NIEMAND will sich „Krieg“ vorstellen. Und ganz ehrlich: es kann auch niemand. Kannst Du Dir wirklich (real?) vorstellen, was Krieg heute bedeutet, was es für deinen, meinen, unseren Alltag real bedeuten würde? Es ist surreal.

Niemand hat eine konkrete, EIGENE Erfahrung. Auch ich nicht. – Nehme ich mir aber ein halbe Minute Zeit und versuche mir mal das Fallen von Bomben vorzustellen, das Chaos eines kriegerischen Alltags, das laute Dröhnen, das Zerstören von Häusern und Infrastruktur, das erleben dieses unfassbaren und unbeschreiblichen menschlichen Leids – und da sind kein Wasser, kein Strom, keine Heizung, kein warmes Essen nur „Peanuts“ – wie „lebt“ man in einer solchen Zeit? Ich schaffe es nicht.

Was will ich sagen: Wer von uns und unseren Mitmenschen schafft es im realen Alltag, den ganzen Alltagsängsten, sich in diese Apokalypse hineinzudenken? Ja, richtig, die ganzen großen (aber im Vergleich zu einem Krieg lächerlichen) Alltagssorgen, beanspruchen die Menschen schon 24/7. – Und angesichts dessen wird es sehr wahrscheinlich sehr interessant sein, was uns die klugen Köpfe morgen in Berlin und Stuttgart wieder auf den großen Friedensbühnen des Landes so erzählen werden. Meine These: auch das wird „surreal“ sein und uns Menschen sehr wahrscheinlich nicht weiter helfen.

Beobachten wir, ob es dies Mal diese Großdemo schafft, a) alles Trennende wegzulassen und die Friedensmenschen zu einen und b), ob die entscheidende Frage beantwortet werden wird: Was sollen und können wir Menschen (also jeder einzelne) am Montag danach, bei sich VOR ORT konkret für den Frieden tun.

Antwortgedanken 2

Ja. Krieg ist für uns abstrakt. Und das ist vielleicht auch ein Grund, warum oft Ältere zu uns kommen, weil sie die Erfahrung noch gemacht haben und die Welt nicht mehr verstehen, dass es sich wiederholt. Sie erleben, was sie kennen.

Und es kann ja mal jeder in sich reinfühlen: Wenn wir mit dem Thema Krieg berührt wurden, wann haben wir das wirklich auch gefühlt? Dieses „Nie wieder Krieg“ und dieses Entsetzen? Als ich noch Fernsehen geschaut habe: – In Filmen, Reportagen. persönlichen Geschichten …

Trotz all unserer konkreten Alltagssorgen … Wir sind dennoch Menschen, die zu Empathie fähig sind. Wenn wir persönliche Geschichten erfahren, wird Krieg KONKRET und wir sind in der Lage zu fühlen, wie schrecklich das ist.

Was mit Sicherheit nicht funktioniert, sind Argumente. Das hat ja auch diese Studie gezeigt, die Gisela geteilt hatte. Aufklärung über NATO und geopolitische Zusammenhänge sind nur kurz interessant; was aber tief geht und zu persönlicher Betroffenheit führt, sind persönliche Geschichten.

Also: Wie können wir Geschichten in das, was wir tun, mit einbinden?
Wie können wir diese einzelnen Geschichten von Krieg fühlbar machen?