Ängste der Deutschen – Verschiedene Gedanken dazu (1)

Ängste der Deutschen

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Aktuelle Gedanken eines friedensengagierten Mitstreiters:

Ich habe schon seit Wochen auf die neue Umfrage der R+V Versicherung zu den „Ängsten der Deutschen“ gewartet. Und ich finde, die Ergebnisse passen ziemlich gut zu dem, was wir bei unseren Aktionen selbst erleben.

In den Diskussionen oder Meetings merke ich immer wieder, wie frustrierend es ist, wenn nur wenige Leute unterschreiben oder viele einfach desinteressiert vorbeigehen. Dann fangen wir schnell an, die Fehler bei uns selbst zu suchen: Waren die Kekse zu lange im Ofen? Stand der Tisch vielleicht ein Stück zu weit unter dem Pavillon? Waren die Kisten falsch aufgebaut? Hätten wir irgendetwas anders machen müssen?

Ich glaube inzwischen, dass wir uns damit vielleicht zu sehr beschäftigen.

Während der Corona-Zeit habe ich einmal einen Podcast mit einem Psychologen gehört. Sinngemäß sagte er damals: Man kann Menschen nicht dauerhaft in einem Zustand der Angst halten. Irgendwann setzt eine Art Selbstschutz ein. Die Menschen gewöhnen sich an eine Bedrohung, blenden sie teilweise aus oder sagen irgendwann einfach: Jetzt ist es mir egal. So etwas konnte man während Corona ja durchaus beobachten.

Ein weiterer Gedanke daraus ist mir hängen geblieben: Unsere Aufmerksamkeit für verschiedene Ängste ist begrenzt. Wir können nicht beliebig viele Bedrohungen gleichzeitig mit derselben Intensität wahrnehmen. Wenn eine oder zwei Sorgen den Alltag bestimmen, rutschen andere Themen automatisch weiter nach hinten.

Dazu passt ein anderer Podcast, den ich vor Kurzem gehört habe. Dort ging es um die Frage, warum die Angst vor Krieg bei vielen Menschen vergleichsweise gering ist. Die Erklärung fand ich nachvollziehbar: Viele andere Sorgen sind unmittelbar und ständig präsent.

Die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, ist real. Man erlebt Entlassungen im eigenen Betrieb oder kennt jemanden, dem das passiert ist. Die Sorge, dass das Geld nicht mehr reicht, begegnet einem jede Woche beim Einkaufen, bei der Miete oder bei der Kreditrate fürs Haus. Man macht sich Gedanken um die eigene Familie, um die Zukunft der Kinder oder darum, ob man sich im öffentlichen Raum oder im ÖPNV noch sicher fühlt. Solche Dinge betreffen einen selbst oder Menschen im unmittelbaren Umfeld – Freunde, Kollegen, Nachbarn oder Verwandte.

Ein Krieg dagegen bleibt für viele zunächst weit weg und abstrakt. Man weiß natürlich, dass es ihn gibt und dass er eine Gefahr darstellen kann. Aber er ist im Alltag oft nicht so unmittelbar spürbar wie eine hohe Rechnung, eine unsichere Arbeitsstelle oder finanzielle Probleme.

Und genau diesen Eindruck vermittelt für mich auch die aktuelle Tabelle zu den „Ängsten der Deutschen“. Ganz oben stehen steigende Lebenshaltungskosten, mögliche Steuererhöhungen und Leistungskürzungen, wirtschaftliche Probleme oder unbezahlbares Wohnen. Die Angst vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung liegt deutlich dahinter und ist gegenüber dem Vorjahr sogar zurückgegangen.

Deshalb glaube ich, dass wir das Desinteresse vieler Menschen bei unseren Aktionen nicht automatisch als Fehler von uns interpretieren sollten. Vielleicht gehen viele nicht deshalb vorbei, weil unser Stand falsch aufgebaut ist oder wir sie nicht richtig ansprechen. Vielleicht beschäftigt sie unser Thema in diesem Moment schlicht weniger als die Sorgen, die sie jeden Tag unmittelbar erleben.

Die Menschen haben nicht zu wenig Angst. Möglicherweise haben sie einfach schon genug andere Ängste.