Einige persönliche Gedanken nach dem Sehen des Films von Wilhelm Domke-Schulz:
„Geschichte wiederholt sich.“
Autor: Jens K.
Fördern wir in unserem Land nicht alle irgendwo „Krieg“? Und ist uns dies eigentlich gar nicht bewusst?

1.
Nach Ende der Filmvorführung verhaltener Applaus – aber hat ein Dokumentations-Film über Krieg, dessen reale Grausamkeiten, realen Tod und mitunter so erschreckende reale Schicksale Applaus verdient? Ich weiß es nicht. Meiner Meinung nach NEIN. Ein Dankeschön, Respekt vor dieser Arbeit – ja. Ein Mal ein tiefes nachdenkliches Innehalten – ja. Applaus – ich denke nein.
2.
Schon nach den ersten Minuten kam dem Autor dieser Zeilen nur ein Satz in den Sinn: Das ist doch einfach nur KRANK, was da passiert. Was können einfache Menschen anderen Menschen antun. Und von den eigentlichen „Verursachern“, den Nutznießern ist nichts zu sehen?
Ja, wir kennen die vielen Bilder von Dokumentationen aus dem 2. Weltkrieg. Diese werden auch im Film verwendet. Die meisten Aufnahmen in schwarz-weiß.
Wilhelm Domke-Schulz nutzt über einen großen Teil seines Films das Mittel, aktuelle, farbige Aufnahmen aus der Ukraine (2013/2014 – Beginn der innerstaatlichen, auch militärischen Auseinandersetzung in der Ukraine gegen die eigene, weitesgehend russischstämmige und -sprechenden Bevölkerung im Donbass, Bereiche Donezk, Luhansk u.a. …) mit Aufnahmen aus dem 2. WK parallel nebeneinander laufen zu lassen/zu zeigen.
Stellt man sich vor, dass die Farbaufnahmen ja quasi von heute, also aus der Gegenwart sind und sieht man (im Laufe des Films), welche sehr grausamen Schicksale damit verbunden sind (Granateinschläge in eigentlich lebensfrohen Städten/Orten und Tod und Zerstörung von jetzt auf gleich, IRREPRABEL), komme ich als Autor nur zu dem Schluss: Das ist irgendwie EINFACH NUR KRANK.
Ja, es sind mitunter sehr grausame Momente und Lebenssituationen zu sehen, dennoch meine ich, dass Hr. Domke-Schulz wohl bewusst die Bilder und Filmsequenzen der größten Brutalität und Grausamkeit nicht mal im Ansatz in seinem tief berührenden Film untergebracht hat. Und das ist gut so. Was zu sehen ist reicht und geht in einigen Momenten auch so schon an die Grenze des (als Vater und Großvater) Ertragbaren.
3.
Für mich eine oder die am tiefsten wirkende Szene des Films:
Ein Junge (geschätzt vielleicht 12-14 Jahre) erzählt, gefühlt rational und sehr erwachsen über den Krieg (vor dem Krieg), also das, was er persönlich erlebt hat, auch das eine Schulfreundin von ihm umgekommen ist, nur um dann mit einem Wunsch für alle Kinder abzuschließen und hier, in Tränen ausbrechend, irgendwie psychisch fast zusammenbrechend, eben als Kind sinngemäß zu formulieren:
Kein Kind auf der Welt sollte so eine Kindheit haben oder erleben.
Ein vom Bürgerkrieg oder dem Krieg in der Ukraine gezeichnetes (sehr wahrscheinlich auch traumatisiertes) Kind, welches an die Millionen anderen Kinder auf der Welt denkt … Ja, das wirkte sehr tief …
Solch ein Kriegs- oder Kamphandlungs-Wahnsinn und damit jeder bewaffnete Konflikt, jeder Krieg oder welche Grausamkeiten gegen die Menschen auch immer nimmt unseren Kindern die Kindheit. – Und ja, DAS ist Einfach nur krank.
4.
Erschreckend die Szene(n), wo größere Kinder vor der Kamera stolz verkünden, dass sie es nicht erwarten können, 18 Jahre alt zu werden, um endlich selbst an die Front zu können. Vaterlandsliebe und Verteidigung der Heimat ja, sicher, und dennoch bedeutet dies ja irgendwo auch: Ja, ich will meinen Gegner ausschalten, töten … Das passiert immer auf beiden Seiten der Front(en). Aber, jeder sogenannte „Gegener“ ist doch ein Mensch … und den will „ich“ umbringen, töten … einfach nur krank.
5.
Und KEIN Mensch und schon gar kein Kind oder Jugendlicher will von sich aus Krieg. Das geschieht und kann irgendwelchen Kräften nur durch eines gelingen:
Kriegsrhetorik & Kriegspropaganda, Agitation, durch das Schüren von Hass und Hetze.
Und ja, das zeigt dieser Film durch so viele Aufnahmen von beiden Seiten, der ukrainischen und russichen. Und es macht einen fassungslos (als Vater, der in der ja auch propagandistischen Sozialismus-DDR aufgewachsen ist und genau das vom Wesen her als Kind/Jugendlicher selbst erlebt hat), wie zielgerichtet man auf die Kinder und Jugendlichen einwirkt. Die Texte von Liedern, wieder auch eine Art von Massenhysterie, Gruppendynamik. Sie werden unter Nutzung aller möglichen psychologischen Mittel und Methoden mit einem Ziel gerichtet (so das Wort „zielgerichtet“). Fanatismus, Totale Unwissenheit, was Krieg bedeutet, was Explosionen, Tod, Zerstörung WIRKLICH für einen Menschen, also auch sich selbst, bedeuten – Einfach nur krank.
6.
Und damit komme ich abschließen zum Hier und Jetzt, dem HEUTE von uns allen und einem Gedankengang, einer These, die viele von Euch/uns sehr wahrscheinlich erschrecken wird:
Ist es nicht so, dass wir alle in „unserer Demokratie“ Hass, Hetze, Spaltung, Gewalt und (vom Wesen her) die Vorstufen, die Grundbedingung für Krieg selber leben/legen? … und es nicht mal merken?
Das werden die meisten von Euch vehement von sich weißen. Ich? Nein. Niemals. Was redest du da (für einen Blödsinn)? Ich engagiere mich doch (z.B.) im BSW, der Basis oder anderen Parteien für den FRIEDEN.
Aber ist es wirklich Blödsinn, Unsinn oder konstruiert? Was meine ich?
Nehmen wir uns hierzu ein einfaches Bild zum Verdeutlichen, nur eines.
Wir haben die verschiedensten Parteien, sagen wir der Einfachheit halber mal 10 (zehn). Und in jedem Jahr gibt es irgendwo Landtagswahlen und alle 4 Jahre eine Bundestagswahl.
Jede einzelne Partei überlegt, durchdenkt und tut alles, um die Wahl zu gewinnen. Letztlich will jede Partei irgendwo DER Sieger sein. Jede Partei strebt nach der Mehrheit und hat das Ziel, die Vision, alle anderen mögen zur Minderheit gehöre. Wir wollen die stärkste Partei sein. WIR wollen bestimmen.
Bedeutet, vom Wesen her, wenn eine Partei gewinnt, müssen die anderen (und damit MENSCHEN) verlieren. Ist wie bei einem Boxkampf – einer soll und muss verlieren (ja, im Sport gibt es wohl auch ein Unentschieden, ist aber für den Gedankengang, für das Beispiel nicht relevant.)
Und dazu gibt es dann den Wahl-KAMPF. Und das Wort sagt doch schon alles über das eigentliche Wesen dessen, was die Menschen dann machen: Kampf, kämpfen, gegeneinander kämpfen. Und egal wie links, rechts, oben oder unten Menschen sich verordnen, wie sehr sie für einen oder den FRIEDEN sind – sie wollen und werden gegeneinander „KÄMPFEN“. Väter, Mütter, Großeltern, Erwachsene und Jugendliche wollen KÄMPFEN, GEGENEINANDER!?
Was ist das vom WESEN her denn aber anderes, als die oder eine der ersten Stufe(n) von Gewalt und damit letztendlich eine Art von Krieg?
Nein, kein GEMEINSAM der Menschen. „Man“ hat es geschafft, den Souverän, uns Menschen dazu zu bringen, gegeneinander zu „kämpfen“ und dies dann noch für „Demokratie“ zu verkaufen? Und die meisten merken es gar nicht, es ist ihnen vom vielen Partei-Leben oder Wahlkampf überhaupt nicht bewusst. Ist auch das nicht einfach nur krank?
Wäre es hier nicht angebracht mal zu thematisieren, zu durchdenken, ja zu betrachten, ob denn diese, unsere Form der Demokratie nicht auch eine Art Katalysator für das Müssen, für Gegen jemanden sein, für gegen jemanden Kämpfen, für Hass gegen die oder die, für Gewaltsprache im Denken und Handeln, für Brandmauern, für Kontaktschuld, für das Ignorieren und Ausgrenzen von Menschen, also für Gewalt und damit eine erste Vorstufe von Krieg ist?
Nur nebenbei:
Ja, Medien, Politik, NGOs, Gewerkschaften, Interessenvertretungen tun ihr übriges dazu – wie eben auch das System von Parteien und Jugendorganisationen, oder?
Und gerade die letzten Gedanken haben den Autor dieser Zeilen am Ende des Abends innerlich tief bewegt zurück gelassen.
Es gäbe sicherlich noch mehr zu überlegen, belasse ich es dabei … SCHAUT EUCH UNBEDINGT diesen Film an.