Was wohl die gesamte Friedensbewegung von Chemnitz lernen kann?

Chemnitz, Lernen, Sachsen

22. FEBRUAR 2026
CHEMNITZ / SACHSEN

Chemnitz

Neumarkt, am Radschläger

Natürlich kommen die Initiatoren dieser Initiative gern der Bitte aus Chemnitz nach, vor Ort mal den Friedens-Tisch aufzubauen und mal „vorzumachen“, wie wir eine Friedensmahnwache für diese Friedeninitiative machen. Und ja, das geht natürlich auch an einem Sonntag und auch, wenn es regnet. Der Himmel ist grau und nur wenige Menschen sind unterwegs. Manche gehen zur Eis-Bahn, die hier vorübergehend aufgebaut ist, die meisten sitzen drinnen beim Bäcker, der gut besucht ist. Draußen jedoch kommen nur vereinzelt Menschen vorbei.

Wie erreichen wir sie trotzdem?

Indem wir der Farbtupfer an diesem verregneten Sonntag sind: mit unserem leuchtenden Orange, mit Friedensliedern, und wir sprechen die Menschen durchs Mikro an – wir sprechen ihr Bauchgefühl an:
Wie geht es euch in diesem Land im Moment?
Was fühlt ihr als Mütter, Väter, wenn ihr in die Zukunft schaut?
Und wir erinnern an unsere deutsche Geschichte – unsere historische Verantwortung. Zum dritten Mal redet man den Deutschen ein, dass wir kriegstüchtig werden müssen und Kriegswirtschaft brauchen. Dabei wissen ALLE, was schon zwei Mal passiert ist …

Alles läuft gut und genau so, wie es eigentlich immer läuft.

Und plötzlich – Lautstärke, Gebrülle, Emotionen – alles andere, nur nicht wirklich zwischenmenschlich ruhig und friedlich.

Was war passiert? Und ja, was kann die gesamte Friedensbewegung aus genau dieser einen ganz konkreten Situation lernen? Und WARUM macht eben genau UNSER ALLER NEUER Friedensinitiative hier den Unterschied? Weil sie komplett NEU an die gesamte Friedens-Thematik rangeht.

Ein Mann in den 50-er Lebensjahren kommt interessiert an den Tisch, will wissen, was wir machen, wofür wir stehen und reagiert ganz plötzlich emotional laut … „Geht doch nach Russland !“, laut, immer wieder – aber warum. Was hat den Mann so getriggert?

Nein, es waren nicht die Forderungen oder der Text unserer Initiative. Er sah ganz plötzlich einen Mitstreiter, dem es wichtiger war, seine eigene private Botschaft oder Forderung mit einer blauen Fahne zum Ausdruck zu bringen. Auf dieser stand „Raus aus der NATO!“.

Dem konnte und wollte der interessierte Mitmensch nicht zustimmen. Er sah das komplett anders und schon kam es zur mentalen „Eskalation“.

Es bedurfte sehr viel Ruhe, Klarheit und Mut, genau diesen Menschen zu erreichen und in ein Verständnisgespräch zu bekommen. Mehrmals die laute Frage an ihn: „Was hat das (Anm.: unser Stand) mit Russland zu tun?“ Erst nach dem dritten oder vierten Mal wollte er mir gegenüber wohl seine Meinung begründen und nicht stehen lassen. Er war gesprächsbereit oder nein, er war das, was unser Mitstreiter mit seiner Fahne war: Er war gewillt, mir seine Meinung unbedingt aufzudrücken. (Merkt ihr was? Jeder in seinem Ego bleibend, sich nicht für die Gefühle und Gedanken des anderen interessierend, kann niemals zum gemeinsamen Frieden führen. Es fehlt die Bereitschaft und die Neugier auf das Denken des Gegenüber.)

Lange Rede kurzer Sinn: Wurde ich anfangs noch in jedem Satz durch die Emotionen des Redepartner unterbrochen, gelang es über eben ein ruhiges und kluges Frage stellen, mit Zuhören und verständnisvollem Reden, auf der anderen Redeseite die Emotionen runter zu bringen und von dieser Fahnethematik wegzukommen. Es entwickelte sich ein respektvolles, achtsames und beidseitig neugieriges Gespräch. Er erkannte an, gewissen Zahlen, Daten und Fakten nicht zu wissen. Diese habe ich aber klug und wohl dosiert ins Gespräch eingebracht. Zum Ende hin – wir waren uns nicht in allem einer Meinung – hat ER sich für seine emotionalen Ausbrüche entschuldigt. Ja, erhatte für sich erkannt und eingesehen, dass er emotional war und somit komplett falsch reagiert hatte. Ja, er hatte die Größe, sich bei mir (und damit uns) für das „emotionale Müll-Ablassen“ zu entschuldigen.

FAZIT:

Schauen wir uns um. Schauen wir auf den „Blumenstaruß“ der verschiedenen Friedensinitiativen. Wohl alle wollen den anderen ihr Wissen, ihre Meinung, ihren Lösungsansatz, Ihre Plakate, Losungen und Symbolik „verkaufen“. Nur diese, dieses GEGEN, dieses KÄMPFEN, dieses MÜSSEN scheint ihnen wichtig und richtig. Ale(s) andere(n) zählt nicht – weil sie ja Recht haben, oder? Ist dem aber so?

These: NEIN. Niemand will belehrt werden. Niemand will eine Meinung oder eine subjektive, rechthaberische Realitätsinterpretation aufgedrängt haben. Niemand will kommen und nur die Wahl haben, nimm meine Meinung oder du bist falsch, verstehst die Welt nicht und bist damit raus.

FRIEDEN entsteht nur durch uns Menschen als Menschen, durch ein gemeinsames Handeln aller Väter, Mütter und Großeltern, Erwachsene und Jugendliche. JEDE, aber auch wirklich jede weltanschauliche, religiöse und politische Haltung oder Meinung hat hier ganz hinten an zu stehen, weil nicht jeder Mensche Deine/Meine Meinung/Haltung trägt. Vielleicht kann er/sie dies auch aus Gründen fehlendem Wissens (noch) nicht?

ALLE Menschen wollen Frieden. Soweit okay. Bringen wir aber politisch rechts, links, grün, blau, violett, rot, hellblau usw. ins Spiel, folgt mit objektiver Notwendigkeit eine Spaltung der ja grundsätzlich (bezgl. Frieden) gleichgesinnten Menschen, weil DAS TRENNENDE in den Vordergund gestellt wird.

These: Zur „Fahnenforderung. Nein. Im sogenannten Westen wird eine Forderung „Raus aus der NATO“ aktuell z.B. niemals eine Mehrheit finden, weil die Menschen dort seit 80 Jahren das gleiche Feindbild hatten und haben: Der „böse“ Russe. Nur über das verbindende Gespräch von Mensch zu Mensch, durch das Vertrauen zwischen uns Menschen, über das dosierte und kluge Frage stellen kommen die Menschen vielleicht zunehmend ins Nachdenken, ins eigene Hinterfragen, so dass die NATO-Thematik vielleicht als dritter oder vierter Schritt DANN mal auf die Agenda von uns Menschen gebracht werden kann. Dafür ist halt jetzt (noch) nicht die richtige Zeit.

Von Hass, Hetze, Agitation, Symbolik, Rechthaberei, dem Habitus von Parteien, Politikern, Medien und Menschen des „Nur ICH weiß alles.“, NUR ich erkläre dir die Welt, du hast ja gar keine Ahnung . … haben die Menschen die Schn… voll, oder?

Klares Fazit:
Wir erreichen unsere Mitmenschen nur als einfache Menschen, als ganz normale Menschen, wie Du und ich. – Keine Partei, keine Vorhut, keine Besserwisser, keine Mesiasse, keine Vorstände oder Friedensführungsebenen, keine Gurus, keine Symbolik, kein KÄMPFEN, kein MÜSSEN, und erst recht kein GEGEN …
Denn: Wenn ich GEGEN jemanden „kämpfen“, will ich ja gewinnen. „DER“ muss/soll verlieren. Und genau das ist vom WESEN her Gewalt, eine Art von Krieg und somit KEIN Frieden.

Und genau deshalb unsere NEUE Friedensinitiative, unser NEUES Denken, Reden und Handeln. Lassen wir ALLES !!! TRENNENDE weg.
Kein Vater will Krieg, keine Mutter, kein Großelternteil, kein Erwachsener und kein Jugendlicher. Punkt. Ist das nicht Gemeinsamkleit genug? Ist das nicht die WESENTLICHE Gemeinsamkeit für uns alle.